
Bei Osteoporose besteht im Stoffwechsel der Knochenzellen eine funktionelle Übermacht der Zellart der Osteoklasten, die den Knochen abbauen, gegenüber den Osteoblasten, die neuen Knochen entstehen lassen. Die beiden genannten Zellarten sind für den lebenslang stattfindenen natürlichen Knochenumbau verantwortlich. Im jugendlichen und jungen Erwachsenen-Alter (bis ca. 30. Lebenjahr) überwiegt dabei normalerweise der Knochenaufbau. In diesen jungen Jahren baut der Körper also seine Knochengrundsubstanz auf, von der er den Rest des Lebens ‚zehren‘ kann. Unterstützt wird dieser Aufbau durch eine ausreichende Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Vitamin K sowie Magnesium. Weiterhin fördern Druck und Zug den Knochenaufbau, die auf die Knochen bei jeder Bewegung natürlicherweise ausgeübt werden. Mit weiter fortschreitendem Alter überwiegt zunehmend der Knochenabbau. Wenn in jungen Jahren kein ausreichender Knochenaufbau stattfinden konnte, z. B. durch Mängel bei Ernährung oder Bewegung, besteht eine hohes Risiko später eine Osteoporose zu entwickeln: Bei einer Osteoporose kommt es zu Veränderungen in der Knochenmikrostruktur, einer sinkenden Knochendichte, zu immer brüchigeren Knochen und einem zunehmenden Risiko für Knochenbrüche (auch schon durch nur geringe Belastungen ausgelöst). Daher gehört die Osteoporose zu den altersbedingten Erkrankungen, die in einer alternden Gesellschaft immer größere Relevanz bekommt.
Ein hohes Risiko, eine Osteoporose zu entwickeln haben postmenopausale Frauen, da der Östrogenabfall der Menopause sich zusätzlich negativ auf die Knochendichte auswirkt. Weiterhin kann die Entwicklung einer Osteoporose auch während des Erwachsenenalters durch eine langdauernde mangelhafte Ernährung (z. B. übermäßige Diäten, Magersucht etc.) oder falsche Ernährung (viel Phosphate z. B. in Konservierungsstoffen, Schmelzkäsen, Softgetränken u. a.) und zu wenig Bewegung gefördert werden. Darüber hinaus gelten bestimmte Erkrankungen (z. B. entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption etc.) bzw. medikamentöse Therapien (z. B. Glykocorticoide, Heparin, Vitamin-K-Antagonisten etc.) als Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose.
Bei Therapieversuchen mit Stammzellen konnten sehr gute Ergebnisse in Bezug auf die Entstehung und die Progression einer Osteoporose erzielt werden. Doch der Aufwand einer solchen zellbasierten Therapie ist hoch. Da ihre Wirkung auf der Abgabe von mit Wirkstoffen gefüllten Exosomen beruht, sind Exosomen von mesenchymalen Stammzellen (MSC) potenziell sehr gute Therapeutika, die eine direkte Stammzell-Behandlung unnötig machen. Es konnten deutliche Hinweise gefunden werden, dass MSC-Exosomen günstig auf die Knochenbildung wirken und damit in Prävention und Therapie der Osteoporose von hohem Wert sein können.
In dieser Studie wurden an Knochenmarkszellen Exosomen eingesetzt. Sie führten dazu, dass die Vitalität der Zellen erhöht und ihren Apoptose-Tod verhindert wurden. Nachweislich war das Membrantransportprotein GLUT3 stärker vorhanden, was u. a. dazu führt, dass die Zellen besser mit Energie versorgt werden können. Die behandelten Zellen differenzierten sich eindeutig zu Osteoblasten, was im Falle einer therapeutischen Anwendung positiv auf die Entwicklung bzw. das Voranschreiten einer Osteoporose wirken kann.
Bone marrow stem cells derived exosomes improve osteoporosis by promoting osteoblast proliferation and inhibiting cell apoptosis.
Xie Y, Hu JH, Wu H, Huang ZZ, Yan HW, Shi ZY.
Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2019 Feb;23(3):1214-1220.
In dieser Studie wurden Exosomen aus mesenchymalen Knochenmarkszellen in Osteoblasten-Zellkulturen eingesetzt. Die Zellen zeigten anschließend eine deutlich verstärkte Zellproliferation und bildeten verstärkt Proteine, die den sogenannten MAPK-Weg fördern. Darüber wurde das Wachstum und der Zellzyklus der Osteoblasten angeregt. Der Einsatz von MSC-Exosomen aus Knochenmarkszellen ist daher eine neue und vielversprechende Option als ein zukünftiges Therapeutikum bei Osteoporose.
Exosomes derived from bone marrow mesenchymal stem cells improve osteoporosis through promoting osteoblast proliferation via MAPK pathway.
Zhao P, Xiao L, Peng J, Qian YQ, Huang CC.
Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2018 Jun;22(12):3962-3970.
MSC-Exosomen aus menschlichen pluripotenten Stammzellen wurden im Labor in Osteoblasten-Zellkulturen (in vitro) und im Tierversuch (in vivo) eingesetzt. In vitro zeigte sich eine deutliche Steigerung der Proliferation und Differenzierung der Knochenzellen. In vivo konnte eine Steigerung der Gefäßneubildung (Angiogenese) und der Knochenneubildung (Osteogenese) beobachtet werden, wo vorher erhebliche Knochenschäden kritischer Größen vorlagen. Damit sind derartige Exosomen eine sehr große Hoffnung für die zukünftige Osteoporosetherapie.
Exosomes Secreted by Human-Induced Pluripotent Stem Cell-Derived Mesenchymal Stem Cells Repair Critical-Sized Bone Defects through Enhanced Angiogenesis and Osteogenesis in Osteoporotic Rats.
Qi X, Zhang J, Yuan H, Xu Z, Li Q, Niu X, Hu B, Wang Y, Li X.
Int J Biol Sci. 2016 May 25;12(7):836-49.
Hier finden Sie Literaturhinweise zu Übersichtsartikeln (sog. Reviews), die den Wissensstand zum Thema ‚Exosomen als Maßnahme zur Unterstützung der Therapie bei Osteoporose‘ zusammenfassen und Ihnen damit Exosomen und ihre therapeutische Bedeutung noch besser näherbringen können:
Mesenchymal stem cell exosomes in bone regenerative strategies-a systematic review of preclinical studies.
Tan SHS, Wong JRY, Sim SJY, Tjio CKE, Wong KL, Chew JRJ, Hui JHP, Toh WS. Mater Today Bio. 2020 Jun 27;7:100067.
Therapeutic application of extracellular vesicles for musculoskeletal repair & regeneration.
Youssef El Baradie KB, Hamrick MW.
Connect Tissue Res. 2021 Jan;62(1):99-114.
The Application of MSCs-Derived Extracellular Vesicles in Bone Disorders: Novel Cell-Free Therapeutic Strategy.
Liu S, Xu X, Liang S, Chen Z, Zhang Y, Qian A, Hu L.
Front Cell Dev Biol. 2020 Jul 22;8:619.
Exosomes as a Novel Approach to Reverse Osteoporosis: A Review of the Literature.
Xie X, Xiong Y, Panayi AC, Hu L, Zhou W, Xue H, Lin Z, Chen L, Yan C, Mi B, Liu G.
Front Bioeng Biotechnol. 2020 Oct 23;8:594247.
Mesenchymal Stem Cells-Derived Exosomes: A Possible Therapeutic Strategy for Osteoporosis.
Li Y, Jin D, Xie W, Wen L, Chen W, Xu J, Ding J, Ren D, Xiao Z.
Curr Stem Cell Res Ther. 2018;13(5):362-368.